"Die Gaunereien des Scappino" nach Molière

"Die Gaunereien des Scappino" nach Molière
Sommertheater am Alexanderplatz, Berlin

Regie… von Vladislav Grakovski, der Molières letzten Griff in den Finten- und Volten-Fundus der Commedia dell’Arte ganz in ihrem Sinne zu beleben verstand.

Ein Bühnenbild braucht es in der Klosterkirche dafür nicht, auch keine Mikroports,glücklicherweise, die Stimmen der Schauspieler tragen bestens. Im Zentrum der amourösen Wirren, von denen das Stück erzählt, steht ein Diener zweier Herren, der listige Scapin, den Moritz Gaa mit einem hinreißenden, verausgabungsbereiten Talent für körperkomische Kapriolen spielt. Die beiden Freunde aus gutem Hause
Octavio und Leandro (Mattis Nolte und Ulrich Meinecke) haben sich in der Abwesenheit ihrer Väter unstandesgemäß verliebt, beziehungsweise verheiratet.
Octavio hat das arme Waisenmädchen Giasinta (Ina Bährend) geehelicht, Leandro sein Herz an die schöne Zerbinetta (Nadin Lucia Brehm) verloren, die als Kind von Zigeunern entführt wurde und freigekauft werden muss.

Nun gilt es, den alten Herren ihren Segen und ihr Geld abzuluchsen, was Scapin mit allerlei an den
Haaren herbeigezogenen Lügenmärchen erledigt – eine frühemanzipatorische Feier des Bedienstetenstandes, die Grakovski mit homogenem Ensemble und präzisem Timing in Szene setzt.

Es ist eines dieser Stücke, in denen am Ende alle überraschend miteinander verwandt und verschwägert sind, und es löst sich in schönstem, sommerlich lauen Wohlgefallen unter viel Beifall in der Klosterruine.

Von Patrick Wildermann

Tagesspiegel, 08.08.2009